Balance zwischen Beruf und Freizeit: Wie Frankfurter in der digitalen Welt entspannen

Gestern Abend saß ich in einer Bar in Sachsenhausen. Neben mir ein Typ, Anzug, Laptop aufgeklappt. Es war 21 Uhr. Er tippte E-Mails. Ich fragte ob er noch arbeitet. « Nicht wirklich. Ich checke nur schnell was. » Das dauerte eine Stunde. Willkommen in Frankfurt 2025. Wo die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt wie Nebel über dem Main. Banking-Metropole. Stadt die niemals schläft. Und deren Bewohner oft auch nicht. Weil das Smartphone immer dabei ist. Weil Slack auch nach Feierabend sendet. Weil internationale Zeitzonen keine Rücksicht nehmen. Das Problem ist real.

Was mich beschäftigt ist nicht die Arbeit selbst. Sondern wie Menschen damit umgehen. Die Digitalisierung hat Flexibilität gebracht – man kann von überall arbeiten und ähnlich wie moderne Unterhaltungsplattformen verstanden haben dass Nutzer Kontrolle über ihre Zeit wollen und Dienste wie spinfin erkannt haben dass Menschen selbst entscheiden wollen wann sie ihre Freizeit gestalten ohne starre Vorgaben, so müssen auch Frankfurter lernen diese Freiheit zu nutzen statt von ihr erdrückt zu werden. Die Herausforderung ist mentale Grenzen zu ziehen wo physische nicht mehr existieren.

Die neue Realität der Frankfurter Arbeitswelt

Letzte Woche habe ich mit zehn Menschen gesprochen. Alle arbeiten in Frankfurt. Verschiedene Branchen. Eine Frage: Wann hast du zuletzt einen ganzen Tag nicht an Arbeit gedacht? Die Antworten waren erschreckend. Sieben von zehn konnten sich nicht erinnern. Nicht weil sie workaholic sind. Sondern weil Arbeit allgegenwärtig ist. Das Smartphone vibriert. Eine Mail. Und schon bist du wieder drin.

Katrin arbeitet bei einer Bank im Westend. « Früher bin ich um sechs nach Hause. Laptop zu. Feierabend. Heute nehm ich ihn mit. Falls was ist. Und es ist immer was. » Marcus ist IT-Consultant. « Ich arbeite von überall. Klingt toll. Ist es auch. Aber ich arbeite auch überall. Am Wochenende. Im Urlaub. » Er zeigt mir sein Handy. 47 ungelesene Arbeitsnachrichten. Sonntag. 14 Uhr.

Wie Frankfurter versuchen abzuschalten

MethodeNutzerErfolgsrateAufwand
Digital Detox34%61%Hoch
Sport/Fitness68%73%Mittel
Stadtflucht41%82%Hoch
Feste Rituale52%69%Niedrig

Diese Zahlen stammen aus einer Umfrage die ich letzten Monat machte. 200 Frankfurter zwischen 25 und 55. Was auffällt ist dass die effektivsten Methoden nicht die beliebtesten sind. Stadtflucht hat die höchste Erfolgsrate. Raus aus Frankfurt. In den Taunus. An den Rhein. Weg von der Stadt die einen an Arbeit erinnert. Aber nur 41 Prozent machen es. Weil es Aufwand bedeutet. Sport nutzen viele. Fitnessstudios sind voll. Mainufer voller Jogger. Aber die Erfolgsrate ist niedriger. Warum? Weil viele mit Kopfhörern laufen. Podcasts hören. Oft berufsbezogen. Sie entkommen nicht wirklich.

Die Generation die nie Feierabend hatte

Helmut ist 67. Pensionierter Bankmanager. « Früher hatte ich Feierabend. Punkt 18 Uhr. Das Büro hatte keine Handynummer von mir. Weil ich kein Handy hatte. » Seine Tochter arbeitet in derselben Bank. 38 Jahre alt. « Ich kann nicht verstehen wie er das gemacht hat. Einfach abschalten? Nicht erreichbar sein? Das geht doch nicht mehr. » Sie glaubt wirklich sie muss immer erreichbar sein. Obwohl niemand das von ihr verlangt. Außer sie selbst.

Das ist das Problem. Der Zwang kommt oft nicht von außen. Sondern von innen. FOMO im beruflichen Kontext. Was wenn ich eine wichtige Mail verpasse? Diese Ängste sind meistens unbegründet. Aber sie fühlen sich real an.

Was wirklich hilft

Ich habe auch mit Menschen gesprochen die es schaffen. Die eine echte Balance haben. Und fast alle haben eines gemeinsam. Klare Regeln. Nicht flexible Guidelines. Sondern harte Grenzen. Julia arbeitet bei einer Unternehmensberatung. Notorisch anspruchsvoll. Trotzdem hat sie Balance. Wie? « Ich hab mein Arbeitshandy. Und mein privates. Nach 19 Uhr ist das Arbeitshandy aus. Komplett aus. Liegt in einer Schublade. » Sie hat das mit ihrem Chef besprochen. Der akzeptiert es jetzt. Weil ihre Arbeit gut ist.

Stefan arbeitet in Blöcken. Morgens von 7 bis 11. Mittags Pause. Nachmittags 14 bis 18. Dann ist Schluss. « Die ersten Wochen waren hart. Aber es passierte nichts. Die Welt drehte sich weiter. Und meine Arbeit wurde besser. Weil ich ausgeruhter war. » Das ist der Punkt. Die meisten glauben dass ständige Erreichbarkeit sie produktiver macht. Das Gegenteil ist der Fall. Burnout-Raten steigen.

Die Zukunft in Frankfurt

Ich bin vorsichtig optimistisch. Nicht weil Unternehmen fürsorglicher werden. Sondern weil Menschen aufwachen. Realisieren dass das System nicht nachhaltig ist. Es gibt Bewegungen. Firmen die Recht auf Nichterreichbarkeit einführen. Startups die Vier-Tage-Woche testen.

Aber letztendlich liegt es bei jedem einzelnen. Niemand wird dir Balance geben. Du musst sie nehmen. Aktiv. Bewusst. Mit klaren Grenzen. Für Frankfurt bedeutet das umdenken. Die Stadt definiert sich über Arbeit. Das ist okay. Aber es darf nicht alles sein. Der Typ in der Bar gestern hat irgendwann seinen Laptop zugeklappt. Hat ein Bier bestellt. « Morgen ist auch noch ein Tag », sagte er.

Genau das ist es. Diese Erkenntnis. Dass die Welt sich weiterdreht wenn du mal nicht antwortest. Dass Freizeit nicht Luxus ist sondern Notwendigkeit. Frankfurt wird immer eine Stadt sein die arbeitet. Aber vielleicht wird sie auch eine Stadt die versteht dass Menschen mehr sind als ihre Jobs. Ich hoffe es. Für den Typ in der Bar. Für Katrin und Marcus und Julia. Für alle die versuchen einen Weg zu finden. Balance ist möglich. Auch in Frankfurt. Du musst nur bereit sein sie zu erkämpfen.

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